{"id":6970,"date":"2025-02-01T23:40:00","date_gmt":"2025-02-01T22:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=6970"},"modified":"2025-02-18T10:51:00","modified_gmt":"2025-02-18T09:51:00","slug":"2025-02-01-baelmeten-hoch-fulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=6970","title":{"rendered":"2025-02-01 B\u00e4lmeten, Hoch Fulen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Oder auch nicht. Weder den einen noch den anderen Gipfel haben wir erreicht. Trotzdem bot der Tag ein sehr eindr\u00fcckliches Erlebnis: W\u00e4rme und sogar Regentropfen beim Start in Schattdorf, nebelverhangener Blindflug am Skilift auf dem Haldi, wo wir just \u00fcber der Nebelgrenze anfellen. Kalte, eher d\u00fcnne Schneedecke mit einem Sch\u00e4umchen Neuschnee im Aufstieg zum Butzenboden. \u00dcber den Graten m\u00e4chtige Schneefahnen und zunehmend starker Wind auf dem Weiterweg zum B\u00e4lmeter Gr\u00e4tli. Der steile Aufstieg mit Triebschnee zugekleistert, sodass wir mit Abstand gehen. Oben packt uns ein F\u00f6hnsturm mit aller Kraft, sodass es nicht in Frage kommt, den Kilometer Grat zum B\u00e4lmeten hin\u00fcber zu begehen. Stattdessen Felle weg, und schnell abfahren. Schauen, dass nichts davongeweht wird, was allen gelingt ausser mir selber. (:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Aufstieg durch den Stich sehe ich eher skeptisch entgegen. Der Sturm r\u00fcttelt an der Stimmung ebenso sehr wie an den Kleidern und erzeugt ein Expeditionsgef\u00fchl, welches noch verst\u00e4rkt wird dadurch, dass wir weit herum allein unterwegs sein. Aus der Ferne l\u00e4sst sich jedoch wenig Konkretes erkennen, sodass es nicht dumm ist, die Sache aus der N\u00e4he anzuschauen. Vor allem einmal weg aus diesem Wind! Umkehren und wieder hochsteigen k\u00f6nnen wir allemal. Mit jedem Meter unter dem Grat tauchen wir in eine fast unwirkliche Zauberlandschaft ein. Die Sonne leuchtet den Felsenkessel von Lang B\u00fcel aus und l\u00e4sst die Schneekristalle glitzern. Der Sturmwind ist schon fast wieder vergessen, als wir uns f\u00fcr eine Rast niederlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich auch hier Triebschnee ringsum, mag er noch so unber\u00fchrt daliegen. Doch wie sieht es mit der Stabilit\u00e4t aus? Wie hat die Westwindlage der vergangenen Tage hier gewirkt? An einer B\u00f6schung f\u00fchre ich einen S\u00e4ulentest (ECTS) durch und staune selber \u00fcber das Resultat. Der einzige Bruch, der zu bef\u00fcrchten ist, liegt in meinem Handgelenk. So sehr ich auch auf das Schaufelblatt h\u00e4mmere, es rutscht rein gar nichts. Die obersten beiden Schichten sind je ca. einen halben Meter dick, und die gesamte Schneedecke etwa 3.5m! Anders als in den schnee\u00e4rmeren Gebieten (Graub\u00fcnden, Alpens\u00fcdhang), wo in den letzten Tagen teilweise grosse Lawinen ausgel\u00f6st wurden, weist die Schneedecke hier keine deutlichen Schwachschichten auf. To go or not to go?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Leute schreiben, sie seien &#8220;vorsichtig weitergegangen&#8221;, lese ich: &#8220;Ich hatte keine Ahnung, ob es h\u00e4lt, aber im Nachhinein ist alles gut gegangen.&#8221; Nur dass diejenigen mit gegenteiliger Erfahrung sich weniger h\u00e4ufig zu Wort melden. Abgesehen von der schon im Voraus bekannten Steilheit des Gel\u00e4ndes sehe ich jedoch keine Indizien, die gegen eine Fortsetzung sprechen w\u00fcrden. Im Gegenteil stufe ich die konkrete Lawinengefahr weniger hoch ein, als das Bulletin angibt. (Anderntags wird sie tats\u00e4chlich auch reduziert.) Schliesslich gehe ich voraus, um die Spur zu legen, und grabe Wendeplattformen, denn im knietiefen Triebschneepulver werden Spitzkehren zur Herausforderung. Ausserdem w\u00fcrde ich beim Graben auch sp\u00fcren, falls sich lokal etwas in der Schneedecke ver\u00e4ndern sollte. Nach 50 H\u00f6henmetern kann ich links ins flachere Gel\u00e4nde r\u00fcberziehen. Mit grossem Abstand arbeitet sich die Gruppe auf meiner &#8220;M\u00e4rmelibahn&#8221; hoch. Oben geht es einfacher zum P\u00e4sslein hoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den Gipfel des Hoch Fulen w\u00e4re es nicht mehr weit, jedoch hat der ganze Aufstieg viel mehr Zeit gekostet als geplant. Ausserdem wirbeln erneut die Schneefahnen \u00fcber den Grat. Also machen wir uns auf zur Abfahrt durchs Griesstal. Meine Hoffnung auf Pulverschnee erf\u00fcllt sich nur sehr lokal (aber immerhin!). Zeitweise \u00fcberrollt uns eine Schneesturmwalze, sodass sich das Expeditionsgef\u00fchl wieder einstellt. Bis auf zwei, die vom Hoch Fulen heruntergefahren kommen, sind wir immer noch allein. Im Fl\u00f6sch ziehe ich so weit rechts hin\u00fcber unters Wiss St\u00f6ckli, wie es nur geht, in der Hoffnung, dass der Triebschnee dort locker abgelagert worden sei. Teilweise ja, aber stellenweise hat der Wind die Oberfl\u00e4che auch platt gedr\u00fcckt. Es ist eine rechte Herausforderung, die gut fahrbaren Bereiche zu erkennen, und die Skis mit Geduld um die Kurven zu steuern. Zur Brunnialp hinunter liegt der Schnee schliesslich locker, und auf der Langlauf- und Schlittelpiste geht es hinunter in Richtung Untersch\u00e4chen, wo uns dicker Nebel wieder einh\u00fcllt. Das Ansteuern des <a href=\"https:\/\/alpina-uri.ch\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/alpina-uri.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hotels Alpina<\/a> braucht schon fast ein GPS, und umso mehr erfreuen wir uns der W\u00e4rme in der Gaststube.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder auch nicht. Weder den einen noch den anderen Gipfel haben wir erreicht. Trotzdem bot der Tag ein sehr eindr\u00fcckliches Erlebnis: W\u00e4rme und sogar Regentropfen beim Start in Schattdorf, nebelverhangener Blindflug am Skilift auf dem Haldi, wo wir just \u00fcber der Nebelgrenze anfellen. Kalte, eher d\u00fcnne Schneedecke mit einem Sch\u00e4umchen Neuschnee im Aufstieg zum Butzenboden. 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