{"id":7060,"date":"2025-03-16T23:40:00","date_gmt":"2025-03-16T22:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=7060"},"modified":"2025-03-19T07:57:50","modified_gmt":"2025-03-19T06:57:50","slug":"2025-03-15-15-uri-rotstock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=7060","title":{"rendered":"2025-03-15\/15 Uri Rotstock"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Planen, packen, probieren &#8212; dieser Dreisatz hat sich doch noch immer bew\u00e4hrt. So auch auf der grossen L\u00fccklitour von der Bannalp \u00fcbers Rot Gr\u00e4tli, die Engelberger und die Schlossstockl\u00fccke mit Abstecher auf den Wyssigstock. N\u00e4chtigung in der h\u00fcbschen Gitschenh\u00f6relih\u00fctte und morgendliche Besteigung des URS, gefolgt von der legend\u00e4ren Abfahrt ins Grosstal (Isental). Landschaftlich abwechslungsreiche Durchquerung der kanadischen Wildnis im Herzen der Zentralschweiz, die sich auch meteorologisch ebenso abwechslungsreich pr\u00e4sentierte. Deshalb bescherte sie uns Stille und Einsamkeit ebenso wie die R\u00fcckkehr von St. Jakob aus mit dem Postauto anstatt \u00fcber den Brisen zur\u00fcck ins Engelbergertal. Ein ausserordentlich erlebnisreiches Wochenende an der Grenze zwischen Fr\u00fchling und Winter!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Planen zuerst das Grunds\u00e4tzliche: Die Wetterprognose klingt derart bescheiden, dass die H\u00fcttenwartin anruft, ob wir denn nun wirklich hochgehen wollen. Die Schneedecke hat sich jedoch schon die ganze Woche \u00fcber mit kalten Temperaturen und erstaunlich wenig Wind sehr zum guten entwickelt, und da die gesamte Tour nicht auf anspruchsvolle Gipfel ausgerichtet ist, sondern eher eine Traversierung darstellt, sind alle einverstanden das Abenteuer anzupacken.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Packen: Welche Verh\u00e4ltnissen herrschen an der Schlossstockl\u00fccke, und was ist wohl an Material notwendig? Eigentlich sollte die Abfahrt von dort mit einem Gel\u00e4nderseil gut machbar sein, aber die aktuelle Schneearmut k\u00f6nnte einem dort einen Streich spielen. Der Pickel m\u00fcsste aber doch gen\u00fcgen, um zum Schluss dort zu Fuss abzusteigen. Also auf zum Probieren!<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann zur Realit\u00e4t, die sich in Oberrickenbach als gr\u00fcne Matten \u00fcberdacht von dicken Wolken zeigt, aus welchen es leise tr\u00f6pfelt. Das kann ja heiter werden &#8212; vermutlich aber nicht. Immerhin Niederschlag! Denn Nachschub in Sachen Schnee ist dringend erw\u00fcnscht. Zur Trostlosigkeit des Augenblicks tr\u00e4gt die Tatsache bei, dass wir an der Talstation weit und breit die einzigen sind. Hat man schon einmal einen Samstag Mitte M\u00e4rz erlebt, wo man auf die Bannalp hochgondelt, wie wenn es sich um ein verlassenes Tal hinter den sieben Bergen handelt, mehrere Tagesreisen weit entfernt vom n\u00e4chsten bewohnten Ort? (Zeit- und Augenzeugen wollen sich bitte unten in den Kommentaren verewigen, danke!) Habe ich etwas verpasst? Wurde das Fliegerschiessen etwa von A(-x-) nach B(-annalp) verlegt?!<\/p>\n\n\n\n<p>Regen in Schnee \u00fcbergehend steht f\u00fcr eine sehr gute, da klebrige, Verbindung zur Altschneeschicht, sodass die Lawinengefahr keine Spr\u00fcnge machen wird. Auch wir schleichen etwas zaghaft unter der Wolkendecke im Bannalper Kessel der Schonegg entgegen. \u00dcberm\u00fctig hatte ich im Postauto meinem Gef\u00fchl Ausdruck verliehen, dass wir vielleicht sogar die Sonne sehen k\u00f6nnten. Das Waten im Schneebrei unter der Nebelsuppe spricht jedoch eine ganz andere Sprache. Tats\u00e4chlich aber klart es zunehmend auf, und \u00fcber dem Nebel zeigt sich blauer Himmel mit versprengten Wolkenfetzen. H\u00f6henwind scheint kein Thema zu sein, und es keimt die Hoffnung, dass diese blaue St\u00f6rung anhalten m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Zeit \u00fcber sind wir mutterseelenallein unterwegs, und auch der Blick zur\u00fcck von der Bannalper Schonegg l\u00e4sst keine Verfolger erkennen. Kann es wirklich sein, dass wir das ganze Gebiet f\u00fcr uns haben? Welch eine Herrlichkeit! Jede Gel\u00e4ndekammer ist unber\u00fchrt, und die H\u00e4nge zum Ruchstock hoch locken mit 25\u00a0cm Pulverschnee. Der Himmel bl\u00e4ut sich noch mehr auf, und bald wird es richtig heiss. Es dr\u00e4ngen sich Nachtr\u00e4ge zum 3P-Dreisatz auf: Erstens stimmt es wirklich, dass man niemals nirgends nicht ohne Sonnenhut auf Tour gehen sollte. Zweitens hat es sich tats\u00e4chlich noch genau gar nie ausbezahlt, beim Wasser zu sparen. Und drittens w\u00e4re es gescheiter gewesen, die Skis zu wachsen, als im Eishockey-Playoff beim Scheitern zuzuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schritt f\u00fcr Schritt erschliessen wir uns das unber\u00fchrte Reich, das vor uns liegt. Schon im Aufstieg zum Rot Gr\u00e4tli w\u00e4hnt man sich in einer anderen Welt. Tief verschneit die langgestreckte Mulde vor uns ebenso wie die j\u00e4he Westflanke des Engelberger Rotstocks, und \u00fcber dem Grat leuchtet der blaue Himmel. Keine Spur weit und breit, und ich ziehe unbeschwert eine Trasse ins Gel\u00e4nde. Das Idealziel, ohne Spitzkehren auszukommen, verfehle ich erst ganz am Schluss, um \u00fcber den steilen Gratkamm zu gelangen. Dar\u00fcber weitet sich der Blick \u00fcber die Terrasse von Rugghubel und das dichte Nebelmeer, das hartn\u00e4ckig knapp unterhalb der H\u00fctte wogt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen kurzen Moment wird es windiger, und die hochliegenden Wolken verdichten sich. Hinter dem Titlis w\u00f6lbt sich die F\u00f6hnwalze in die H\u00f6he. Mit der Farbe des Himmels ver\u00e4ndert sich auch die Ambiance, und langsam machen sich die Anstrengungen des Aufstiegs deutlich sp\u00fcrbar. Der Gipfel des Wissigstocks m\u00fcsste zu Fuss erstiegen werden, weil unter der Schneeauflage Steine hervorschauen. Wir lassen es auf dem Wissigrat bei P. 2791 gut sein und traversieren zur\u00fcck zur Engelberger L\u00fccke. Mit der nun fahlen Beleuchtung macht der dahinterliegende Kessel einen abweisenden Eindruck. Zudem scheinen die Flanken unter dem Wissigstock steiler, als ich sie in Erinnerung hatte. Ob wohl die Ausaperung daf\u00fcr verantwortlich ist oder einfach viel Triebschnee liegt? M\u00f6glicherweise beides. Deshalb fahren wir von der L\u00fccke recht tief ab, bevor wir auf den Schlossfirn hin\u00fcber halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gegen\u00fcberliegende Schlossstockl\u00fccke sieht so aus, wie sich die Filmemacher von Cliffhanger wohl eine L\u00fccke vorstellen. Steil ragt der scharfe S\u00fcdgrat des Schlossstock \u00fcber der winzigen Furke auf, und rechts zieht sich ein verschneiter Schneegrat hoch. Der Anstieg geht gut, auch wenn das Terrain recht steil wird. Zum Schluss gehen wir zu Fuss, weil die Skikanten auf dem harten Altschnee keinen Halt mehr finden. Die L\u00fccke bietet kaum Platz f\u00fcr alle, und der Blick hinunter auf der anderen Seite zeigt extrem wenig Schnee im Steilhang. Das wird eine aufw\u00e4ndige Sache!<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Berufung als Schwergewicht nachkommend, stelle ich mich als Anker hin und sichere alle einzeln hinunter. Als zus\u00e4tzliche Schikane kommt nach und nach ein steinernes Hindernis, garniert mit einer Kette zum Vorschein, was offenbar einiges an Akrobatik verlangt, um mit Skis dr\u00fcber hinab zu steigen. So berichten mir zumindest meine &#8220;Relaisstationen&#8221;, denn ich stehe ja auf der gegen\u00fcberliegenden Seite im Hang, jederzeit bereit, mich ins Zeug legen bzw. h\u00e4ngen. Ich h\u00e4tte mir ja nie tr\u00e4umen lassen, dass ich einmal eine Karriere als &#8220;anchor man&#8221; finden w\u00fcrde. Vielleicht sollte ich mich beim Fernsehen bewerben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeit genug um TV-Dokus zu schauen h\u00e4tte ich ja, denn die Aktion dauert bei f\u00fcnf Personen nat\u00fcrlich mehr als eine Stunde. Als es schliesslich an mir ist hinunter zu steigen, bin ich total richtig nicht aufgew\u00e4rmt. Vorsichtig steige ich auf der harten Altschneedecke hinab, denn vom Neuschnee wurde der Hang radikal befreit. Immerhin haben sich Rillen gebildet, in welchen sich die Kanten platzieren lassen, und mit dem Pickel in der Hand stochere ich nach zus\u00e4tzlichem Halt. Bei der Steinstufe angekommen, ist Kreativit\u00e4t gefordert. Von Schneeauflage keine Spur mehr, und die Kette darunter erinnert mich an die Gummischnur beim Hochsprung im Schulturnen. Einfach nicht aus Gummi, und anstatt dicker Schaumstoffmatte dahinter ein steiler Schneehang mit verborgenen Lawinenbollen. Ich hatte mir einen Steinbrocken vorgestellt, den man seitw\u00e4rts \u00fcbersteigen muss. Dass sich die Skispitzen schon dar\u00fcber auf kleinen Vorspr\u00fcngen festhaken, und sich die Skienden hinten auf einem Schneer\u00fccken verkeilen, war so nicht Teil der Planung. Ich stehe viel zu hoch und damit auch zu weit weg vom eigentlichen Hindernis, um sachte abzusteigen. Also doch Hochsprung!<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Freeride World Tour und Konsorten habe ich noch nie l\u00e4ngere Videos angeschaut, h\u00f6chstens da und dort einmal kleine Ausschnitte gesehen. Ich finde es eine verr\u00fcckte Idee, mit Skis \u00fcber Felsen hinunter zu springen. Geblieben aber ist mir der Eindruck, dass sich das nur bei wirklich g\u00fcnstigen Schneeverh\u00e4ltnissen machen l\u00e4sst. Die Experten m\u00f6gen mich korrigieren, aber bei weniger als 25 cm fluffligem Powder kann ich mir nicht vorstellen, mich aus einer wackligen Position aus dem Gleichgewicht zu lehnen, mit den Beinen kr\u00e4ftig abzustossen, die Fersen anziehen, um die Skienden m\u00f6glichst weit \u00fcber die Oberfl\u00e4che zu bringen und ins Leere zu springen. Die Skis sofort auf die andere K\u00f6rperseite bringen, um bei der Landung scharf nach rechts zu ziehen, um nicht auf einen Eisbrocken aufzufahren und danach locker drei, vier Schw\u00fcngen im Pulverschnee ziehen. Kalt ist mir danach nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgek\u00fchlt warten daf\u00fcr die anderen unten im Hang. Mittlerweile ist es gut Nachmittag geworden, und wir freuen uns, bald das Zuhause f\u00fcr die Nacht zu erreichen. Es w\u00e4re also \u00fcberhaupt nicht n\u00f6tig gewesen, dass ich mich in der Abfahrt verspekuliere und direkt auf den steilen Einschnitt im Felsbuckel \u00fcber dem Gletscherbecken zusteuere. Die knappen Schneeverh\u00e4ltnisse lassen die Direktabfahrt jedoch nicht zu, und so m\u00fcssen wir nochmals die Felle aufziehen. Der Aufstieg dauert weniger lang als das Montieren der Felle, und trotzdem h\u00e4tte man gerne darauf verzichtet. Gl\u00fccklicherweise bleibt die Stimmung im gr\u00fcnen Bereich, und es mault auch niemand, als wir f\u00fcnf Minunten sp\u00e4ter erneut anfellen f\u00fcr den Schlussaufstieg zur Gitschenh\u00f6relih\u00fctte. Wahrscheinlich sind alle auch einfach ein bisschen m\u00fcde und vor allem gl\u00fccklich, das Ziel bald erreicht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Nordwesten her scheint die Sonne unter den Wolkendeckel, der sich \u00fcber der Zentralschweiz geschlossen hat. In der Ferne sind h\u00f6herliegende Wolkenfelder sichtbar, die nichts Gutes verheissen f\u00fcr das morgige Wetter. Wir rechnen mit der bekannten Wetterprognose und werden vermutlich direkt ins Tal abfahren und den URS sein lassen. Zuerst aber einfeuern, Wasser kochen, Schnee schmelzen, umziehen, Bettstatt einrichten usw. Die H\u00fctte ist nur auf Voranmeldung zu benutzen, wobei man einen Code f\u00fcr die Schl\u00fcsselbox im WC-H\u00e4uschen erh\u00e4lt. Sie bietet komfortabel Platz f\u00fcr bis zu neun Leute und ist mit einem Getr\u00e4nkevorrat, zwei grossen Thermoskannen, Wolldecken und Armeeschlafs\u00e4cken ausger\u00fcstet. Letztere sind gerade knapp nicht so alt wie ich selber und auch immer noch recht gut im Schuss f\u00fcr ihr Alter, aber sonst nicht f\u00fcr viel zu gebrauchen. Ich erinnere mich an kalte und &#8212; schlimmer noch &#8212; kalte und nasse N\u00e4chte im Milit\u00e4r, wenn die Untauglichkeit des Schlafsacks durch eine wasserdichte H\u00fclle gleichzeitig kompensiert und durchs Kondenswasser wieder verst\u00e4rkt wurde. In einer H\u00fctte bei knapp \u00fcber null Grad geht es gerade so; bei schmalem Temperaturwohlf\u00fchlbereich verbringt man jedoch keine wohlige Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Tabuthemen am Morgen danach in einer H\u00fctte z\u00e4hlt die Frage, wie man geschlafen habe. Die Schilderungen gehen von Schnarchgedr\u00f6hne \u00fcber Erstickungsanf\u00e4llen bis zum Frieren beim Toilettengang, und sowieso hat keiner ein Auge zugetan. Solche N\u00e4chte muss man mit ebenso viel Grossmut wie Demut erdulden. Ohropax helfen. Und die grosse Tasse Kaffee ist ein Ankerpunkt des lebenswerten Lebens. Danach die H\u00fctte reinigen und alle siebenundzwanzig Sachen zusammensuchen, Schuhe anziehen, bevor es wieder weitergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wetter ist oben milchig und unten breiig grau. In der Nacht war der Himmel noch sternenklar gewesen, wie ich vom Fenster des WC-H\u00e4uschens aus eindeutig hatte feststellen k\u00f6nnen. Leichter Niederschlag k\u00fcndigt an, dass sich das schlechte Wetter von Westen her breitmacht. Mit dem Plan, ins Tal abzufahren, steigen wir hinter der H\u00fctte auf die Mor\u00e4ne hoch bis zum Wegweiser. In dieser kurzen Zeit schiebt sich eine trockenere Luftmasse von S\u00fcden her \u00fcber die Kette von Brunni- und Blackenstock und dr\u00fcckt die Bew\u00f6lkung etwas aus dem Kessel und weiter ins Tal hinunter. Sollte es tats\u00e4chlich nochmals sichtig werden?! Mit der Aussicht, dass es vielleicht m\u00f6glich sein k\u00f6nnte, auf den URS zu steigen, krempeln wir den Plan kurzerhand um und steigen durch die langgezogene Mulde hinter der Mor\u00e4ne auf. Die Bew\u00f6lkung spielt mit dem Licht und erzeugt eine fast unwirkliche Stimmung. Nach wie vor sind wir in vollst\u00e4ndiger Einsamkeit unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Kehre zum langgezogenen Grat hoch, hat sich das Wetter soweit gebessert, dass der Gipfelaufstieg fassbar wird. Weil recht knapp Schnee liegt, erreichen wir das Skidepot unter der Schulter vor P. 2826 in einem Steinfeldslalom. Ein letzter Schneehang bringt uns auf die Westseite der Felsz\u00e4hne, und von dort wandern wir im leicht verschneiten Ger\u00f6ll dem Gipfel zu. Wie \u00fcblich ist der Gipfelhang fast aper, und doch geht es sich dank des Bisschens an Schnee erstaunlich gut in Skischuhen. Und dann stehen wir tats\u00e4chlich bei guter Sicht und Windstille zuoberst. Auf der Nordseite verengt sich die Perspektive zwischen Nebel- und Wolkenmeer, sodass wir schnell wieder absteigen, bevor der Nebel wieder in den Kessel hochsteigt. Zudem warten zwei von der Gruppe unten auf dem Grat, wo man den Wind empfindlich sp\u00fcren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu den Skis und mit Fellen \u00fcber den Grat, zu Fuss \u00fcbers Ger\u00f6ll zum Sattel 2695, von wo wir abfahren. Der Schnee ist schattseitig vielversprechend locker, sonnseitig hat sich jedoch durch die W\u00e4rme ein Deckel gebildet. Die Wahl der Abfahrtslinie wird in dem Masse sekund\u00e4r, wie ich zunehmend nichts ausser Weiss vor mir sehe. Der Nebel wabert aus dem Tal \u00fcber den steilen Rand des Kessels hoch und ab der Einfahrt in die steilen H\u00e4nge von Firnb\u00e4ch befinden wir uns mitten in der Watte. Das ist extrem bedauerlich, denn der Schnee ist dort seidenfein zu fahren. Ein Viertelmeter Schnee ohne Windeinfluss und die perfekt Steilheit, nur leider muss man sich nach Gef\u00fchl orientieren, denn das Auge findet fast keine Anhaltspunkte. Zweimal rumple ich \u00fcber Steine oder \u00fcberschneite Lawinenbollen, was meine Einsch\u00e4tzung der M\u00e4chtigkeit der Neuschneeschicht best\u00e4tigt. In der Planung war meine gr\u00f6sste Sorge gewesen, dass der Wind Triebschnee hinunter wehen k\u00f6nnte, aber die Windgeschwindigkeiten waren die ganze Woche \u00fcber moderat geblieben. Beruhigt, dass keine lokalen Ph\u00e4nomene einen Strich durch die Rechnung machen, kann man unbeschwert \u00fcber die pr\u00e4chtigen H\u00e4nge hinab schwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die weitere Abfahrt bleibt spektakul\u00e4r. An der Nebelgrenze vom Vortag traktoren wir im Pflug durch eine l\u00e4stige Kruste, w\u00e4hrend ich versuche, mich an den imposanten Felsw\u00e4nden zu orientieren, die sich aus dem Nichts vor uns aufb\u00e4umen. Dann heisst es, nicht zu fr\u00fch in die steile Flanke hinabzustechen. Weil \u00fcberall Weiss herrscht, werfe ich ab und zu Schneemocken in den Hang unter mir, um die Steilheit wenigstens ein bisschen einzusch\u00e4tzen. Sie erweist sich jeweils als deutlich weniger dramatisch, als das Gef\u00fchl weismachen will. In solchen Momenten widme ich allen Kartographen seit Ptolem\u00e4us einen tiefen Dank und zahle etwas lieber Steuern, um SwissTopo zu finanzieren. Seit man die Gel\u00e4ndesteilheit nicht mehr manuell zwischen den H\u00f6henlinien errechnen muss, sondern sie farblich hervorgehoben direkt auf der Karte darstellen kann, hat sich das Navigieren im steilen Gel\u00e4nde erheblich vereinfacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt noch gen\u00fcgend anspruchsvoll, durch die real existierenden Schneeh\u00e4nge hinunter zu turnen, denn der Schnee wird zunehmend schwerer. Die letzten paar hundert H\u00f6henmeter vernichten wir mit laaangen Schr\u00e4gfahrten und weeiiten Stemmschw\u00fcngen. F\u00fcr Stilpuristen bietet das sicher keinen sch\u00f6nen Anblick, aber die k\u00f6nnen uns zum Gl\u00fcck gar nicht sehen. Zwar stehen wir nun unter der Nebeldecke, daf\u00fcr schneit es zunehmend intensiver. Je weiter wir hinunter kommen, desto feuchter wird der Schneefall, und gegen unten kommt man nicht umhin, an Regen zu denken. Es ist klar, dass wir nicht mehr Richtung Bristen hochsteigen, sondern mit dem Postauto ins Tal hinunter gondeln und mit dem Zug heimfahren. Erlebt haben wir wahrlich genug f\u00fcr ein ausgef\u00fclltes Wochenende!<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Planen, packen, probieren &#8212; dieser Dreisatz hat sich doch noch immer bew\u00e4hrt. So auch auf der grossen L\u00fccklitour von der Bannalp \u00fcbers Rot Gr\u00e4tli, die Engelberger und die Schlossstockl\u00fccke mit Abstecher auf den Wyssigstock. 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