{"id":7418,"date":"2026-03-11T23:40:00","date_gmt":"2026-03-11T22:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=7418"},"modified":"2026-04-06T10:44:07","modified_gmt":"2026-04-06T08:44:07","slug":"2026-03-11-kulmchrachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=7418","title":{"rendered":"2026-03-11 Kulmchrachen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Krachen tut es in der Route durch die Nordwand des Pilatus bei den aktuellen Verh\u00e4ltnissen gl\u00fccklicherweise nicht. Nach ergiebigen Schneef\u00e4llen herrschten w\u00e4hrend der letzten beiden Wochen Hochdruckwetter, wo die Schneeschicht \u00fcber Nacht auskaltete und tags\u00fcber nur wenig auftaute. Bis es mir in den Kram passt, haben sich diese perfekten Verh\u00e4ltnisse leider schon fast wieder verabschiedet. Eine Niederschlagsfront bringt Bew\u00f6lkung, welche die n\u00e4chtliche Abstrahlung verhindert. Immerhin wird es aber deutlich k\u00fchler, sodass die Verh\u00e4ltnisse noch gen\u00fcgend sicher sein sollten f\u00fcr diesen Klassiker.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Luzerner Alpinisten sind diese Routen wohl <a href=\"https:\/\/www.holzding.ch\/zberg\/ZV\/pilatusNkulm.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.holzding.ch\/zberg\/ZV\/pilatusNkulm.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ehrensache<\/a>, f\u00fcr mich hingegen ist es komplettes Neuland. So sehr ich mich in die <a href=\"https:\/\/www.engelbergmountainguide.ch\/sommer\/hochtouren\/nordwandtouren-winterbergsteigen\/pilatus-kulmchrachen-nordwand\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.engelbergmountainguide.ch\/sommer\/hochtouren\/nordwandtouren-winterbergsteigen\/pilatus-kulmchrachen-nordwand\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beschreibungen<\/a> vertiefe, ergibt sich doch kein koh\u00e4rentes Bild. Hingehen und schauen! Allzu kompliziert kann es ja nicht sein. Nach der langen Sch\u00f6nwetterphase ist die Route sicher <a href=\"https:\/\/www.gipfelbuch.ch\/verhaeltnisse\/999014-hochtour-pilatus-2118m\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gipfelbuch.ch\/verhaeltnisse\/999014-hochtour-pilatus-2118m\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gespurt<\/a>. Die aktuellen Verh\u00e4ltnisse versprechen eine eher wenig harte Schneedecke mit ein wenig Neuschnee oben drauf. Das sollte alles passen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Zustieg w\u00e4hle ich von Hergiswil a.S. aus, wo mich die Eisenbahn schon fr\u00fchmorgens hinbringt. Am Mittag muss ich von zuhause losfahren k\u00f6nnen, damit ich am Nachmittag p\u00fcnktlich bei der Arbeit bin. Dieser Anmarsch erstreckt sich \u00fcber rund 2.5&nbsp;km Luftlinie, wohingegen der \u00fcbliche Weg von Kriens her etwa doppelt so weit ist und sinnvollerweise mit dem Velo zur\u00fcckgelegt wird. Zudem erwarte ich im ostseitig exponierten Weidegel\u00e4nde weniger Altschnee als im schattigen Chrienser Hohwald.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist noch dunkel, als ich wenig \u00fcber dem Vierwaldst\u00e4ttersee aus dem Zug steige. Eine gute halbe Stunde sp\u00e4ter bin ich bei der Tal- und nochmals soviel sp\u00e4ter bei der Bergstation der Lufsteilbahn zur Alpgschw\u00e4nd. Wie es der Name sagt wurde hier einst der Wald gerodet, und der Weg f\u00fchrt mehrheitlich \u00fcber offenes Wiesengel\u00e4nde. Dar\u00fcber \u00e4ndert sich das Bild deutlich. Zuerst geht es steil durch Bergwald hoch, bevor die Treichenplangg gequert wird. Diese ist von etlichen steilen Runsen durchzogen, die mit Lawinenschnee gef\u00fcllt sind. Steigeisen sind noch nicht notwendig, ein Pickel in der Hand hingegen schon. Als ich auf einer Umgehungsvariante durch lichtes Gestr\u00fcpp den Spuren folge, liegt pl\u00f6tzlich eine unversehrte Banane vor meinen F\u00fcssen. Vermutlich ist sie k\u00fcrzlich aus einem Rucksack gefallen, und ich nehme sie dankbar als Abwechslung zu meinem Proviant.<\/p>\n\n\n\n<p>Im unteren Teil des Nauens ist dann der Moment f\u00fcr Zn\u00fcni (mit Banane), Steigeisen und Helm. Das Gem\u00e4uer der Rosegg-Nordwand steht eindr\u00fccklich \u00fcber mir, ohne jedoch eine \u00fcberm\u00e4ssig furchteinfl\u00f6ssende Nordwandatmosph\u00e4re zu verstr\u00f6men. Finster ist nur der bew\u00f6lkte Himmel, die Felsfluh hingegen ist hell und trocken, und ich versp\u00fcre Neugier, wo sich der eigentliche Einstieg in den Kulmchrachen verbirgt. Hinter einem Felsschild zieht sich dieser diagonal nach rechts hoch und windet sich dann zunehmend gegen links. Der Aufstieg steilt sich in der Folge unmerklich auf, bis ich beschliesse, dass zwei Pickel durchaus angebracht sind. Die Spur ist teilweise zugedeckt, und meine halbsteifen Leichtschuhe sind nur bedingt f\u00fcr harte Verh\u00e4ltnisse geeignet. Stellenweise gibt es durchaus solche, aber insgesamt befindet sich alles auf der gutm\u00fctigen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufstieg zur ersten Querung auf ca. 1900 ist ebenso unproblematisch wie die Querung rechts hinaus zum Routenbuch selber. Der Schnee ist griffig und fest. Dar\u00fcber erblickt man zum ersten Mal die Installationen auf dem Pilatus Kulm. Rund hundert H\u00f6henmeter sp\u00e4ter entscheide ich mich f\u00fcr die linke Variante, die zum Sattel \u00f6stlich des Esels leitet. Das vielzitierte Kriechband l\u00e4sst sich heute aufrechten Ganges bew\u00e4ltigen, weil sich die Pickel sehr sicher in der kompakten Schneeauflage versenken lassen. Mit den letzten Spreizschritten erreicht man wieder den eigentlichen Kulmchrachen und folgt dem Firn bis in den Sattel. Die W\u00e4chte ist schon soweit abgetragen, dass das \u00dcbersteigen keine Probleme bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer <a href=\"https:\/\/www.engelbergmountainguide.ch\/sommer\/hochtouren\/nordwandtouren-winterbergsteigen\/pilatus-kulmchrachen-nordwand\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.engelbergmountainguide.ch\/sommer\/hochtouren\/nordwandtouren-winterbergsteigen\/pilatus-kulmchrachen-nordwand\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beschreibung<\/a> wird im Zusammenhang mit dieser Variante gewarnt: &#8220;Nur gut bei guter Firnlage und wenn Sonne noch nicht da!&#8221;. Ehrlich gesagt, halte ich dies im Moment f\u00fcr etwas \u00fcbertrieben, denn der letzte Aufstieg liegt noch lange Zeit im Schatten des Rosegg. Den mehrheitlich s\u00fcdseitig ausgerichtet Aufstieg auf den Esel kenne ich vom Sommer und habe ihn als unproblematisch in Erinnerung. Eine kurze Querung ums Eck bringt einen in die Rinne mit den (Milit\u00e4r-)Installationen und ist praktisch aper. Also Steigeisen weg, Pickel aufgepackt und locker zum Gipfel hoch. Vorsichtshalber doch noch den Alupickel hinter den R\u00fccken stecken. Man weiss ja nie!<\/p>\n\n\n\n<p>Frohgemut kraxle ich los und stehe alsbald beim ersten grossen Bullauge. Dort ist die Rinne dick mit Schnee gef\u00fcllt, der nun wirklich sehr weich ist. (Wie war das genau mit der Warnung?!) Nicht mehr ganz SUVA-konform pfl\u00fcge ich mich durch den Steilpflotsch und folge rechts einem trockenen Felsband. Eine kurze Boulderstelle \u00fcber den n\u00e4chsten Aufschwung hoch leitet zum Wandbuch. Rechts raus und dann \u00fcber gut gestuftes Fels- und Schrofengel\u00e4nde auf den Gipfel. Durchaus exponiert, aber nicht weiter schwierig. &#8212; Denkste! In dieser ostseitigen Exposition ist der Schnee gerade nicht weggeschmolzen, sondern ist zu einer kompakten Eisschicht gefroren, welche unter einer d\u00fcnnen Schneeschicht liegt. Als ich das realisiere, bin ich schon mitten drin. Mit einem ganz leichten Anflug von Panik beginne ich, die Eisplatten wegzuhacken. M\u00f6glichst sachte, damit ich die Balance nicht verliere, den hinter mit g\u00e4hnt einige hundert Meter tief ein weit ge\u00f6ffneter Drachenschlund. Diese Aktion liegt definitiv im dunkelorangen Bereich &#8212; und das keine 20 Meter unter dem Gipfel!<\/p>\n\n\n\n<p>Oben angekommen sprinte ich zum Kulm hinunter, verpasse die Gondel aber trotzdem um zwei Minuten. Bis zur n\u00e4chsten reicht es deshalb f\u00fcr einen Kaffee, bevor ich 40 Minuten lang nach Kriens hinunter gondle. Gerade rechtzeitig komme ich zuhause an, um keine Viertelstunde sp\u00e4ter mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Auf der Fahrt hole ich ein bisschen Schlaf nach, bevor ich halbwegs ausgeruht und vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt von einem grossartigen Erlebnis bereitstehe.<\/p>\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krachen tut es in der Route durch die Nordwand des Pilatus bei den aktuellen Verh\u00e4ltnissen gl\u00fccklicherweise nicht. Nach ergiebigen Schneef\u00e4llen herrschten w\u00e4hrend der letzten beiden Wochen Hochdruckwetter, wo die Schneeschicht \u00fcber Nacht auskaltete und tags\u00fcber nur wenig auftaute. Bis es mir in den Kram passt, haben sich diese perfekten Verh\u00e4ltnisse leider schon fast wieder verabschiedet. 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