{"id":7649,"date":"2026-05-24T23:40:00","date_gmt":"2026-05-24T21:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=7649"},"modified":"2026-07-11T11:57:05","modified_gmt":"2026-07-11T09:57:05","slug":"2026-05-22-24-ptj-petite-taversee-du-jura","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munterwegs.org\/unterwegs\/?p=7649","title":{"rendered":"2026-05-22\/-24 PTJ (Petite Tavers\u00e9e du Jura)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Waldl\u00e4ufer im Vorteil! Entgegen den Erwartungen erweist sich die Jura\u00fcberschreitung von Rhoneknie bis zu jenem des Doubs als zunehmend anspruchslos. Nach zwei Dritteln streiche ich die Segel und verzichte auf den restlichen Drittel der H\u00f6henwanderung. Bis dahin war das Gel\u00e4nde noch m\u00e4ssig attraktiv, und stets begleitet einen der Blick zum Mont Blanc. Auf zweieinhalb Tage verteilt lassen sich die 90km und 5000Hm schaffen, und wie so oft zeigt sich im Nachhinein einiges an Optimierungspotential.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grande_Travers%C3%A9e_du_Jura\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grande_Travers%C3%A9e_du_Jura\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Grande Travers\u00e9e du Jura<\/a> (GTJ) entstand Ende der 1970-er Jahre als Langlaufroute mit Selbstversorgerh\u00fctten und wurde um die Jahrtausendwende durch eine Mountainbikeroute erg\u00e4nzt. Kurz darauf wurde der 400km lange Fernwanderweg er\u00f6ffnet, der vollst\u00e4ndig auf franz\u00f6sischem Territorium verl\u00e4uft. Mein Plan war, vom Rhoneknie bei Valserh\u00f4ne aus auf die Jurakette hochzusteigen und der s\u00fcdlichen Krete bis Vallorbe zu folgen. Mit dem Cr\u00eat de la Neige w\u00fcrde ich den h\u00f6chsten Juragipfel \u00fcberqueren, und nach dem Grenz\u00fcbertritt w\u00fcrde ich endlich einmal auf der D\u00f4le stehen. F\u00fcr die \u00dcbernachtung stehen mehrere \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche H\u00fctten zur Verf\u00fcgung. Versorgung mit Wasser ist das gr\u00f6sste Problem, das jedoch am Pfingstwochenende nach komplett verregneten Auffahrtstagen entsch\u00e4rft sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Organisation ist alles, wenn es um Expeditionen in unbekannte Lande geht. Wieder einmal sind die Informationen unvollst\u00e4ndig und zum Teil widerspr\u00fcchlich. Da ich am Abend mit dem Zug in Bellegarde-sur-Valserine ankomme, brauche ich eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit mit eher kurzem Aufstieg. Das nahe gelegene Chalet de Sorgia d&#8217;en Bas scheint jedoch k\u00fcrzlich abgebrannt zu sein, und ob wie es um das Chalet Bizot steht, wird sich weisen. Zu Anfang geht es auf der Strasse durch das Tal der Rhone wieder aufw\u00e4rts, bis der Anstieg durch W\u00e4lder und \u00fcber Felder beginnt. Danach beginnt der Aufstieg auf die eigentlich Jurakette, und es wird deutlich steiler. Nach insgesamt 900Hm erreicht man die verbrannten Ruinen des ehemaligen Chalets auf einer alpinen Weide. Welche ein wunderbarer Ort w\u00e4re das, um sich hinzulegen, aber da ist wirklich nichts zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere 300Hm sind mehrheitlich im Wald bis zum Chalet Bizot zur\u00fcckzulegen, das ich mitten in der Nacht erreiche. Im Dachstock ist ein grossz\u00fcgiger Schlafsaal mit Betten eingerichtet, wo ich eine sehr angenehme Nacht verbringe. Als ich aufwache, steht die Sonne schon l\u00e4ngst am Himmel. Abgesehen von einer Regentonne ist kein Wasser vorhanden, und deshalb lasse ich das Fr\u00fchst\u00fcck aus. Stattdessen setze ich mich alsbald in Bewegung und erreiche mit der Cr\u00eat da la Goutte den ersten Juragipfel, und entsprechend ist die Landschaft f\u00fcr einmal baumfrei und weidegr\u00fcn. Das gibt den Blick frei auf den Mont Blanc, der frisch verschneit hinter dem Genfersee steht. Kaum sattsehen kann ich mich an dieser Aussicht, und immer wieder z\u00fccke ich den Photoapparat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da es beim Chalet du Sac auch kein Wasser gibt, steige ich zu einem der Regenteiche ab, um meine Flasche zu f\u00fcllen. Wenn Salamander f\u00fcr gute Wasserqualit\u00e4t b\u00fcrgen, kann da nichts schiefgehen. Die Becken sind ein wahres Paradies f\u00fcr diese Tiere, und das Wasser erweist sich auch im Nachhinein betrachtet als bedenkenlos geniessbar &#8212; selbstverst\u00e4ndlich filtriert. Weiter geht es auf h\u00fcbschen Pfaden durch den Wald zur H\u00fctte La Poutouille. Diese Unterkunft ist ausserordentlich heimelig eingerichtet, und vor allem hat es einen Brunnen mit frischem Wasser. Welche eine Kostbarkeit! Auf \u00e4hnlichen Wegen geht es weiter zum Chalet du Gralet, wo sich ebenfalls frisches Wasser pumpen l\u00e4sst. Dort f\u00fclle ich alle Reserven auf, denn im weiteren Verlauf wird es auf der H\u00f6he keine weiteren Wasserquellen mehr geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Weiterweg entspricht den Vorstellungen, die ich von der Karte her gewonnen hatte: Ein wenig ausgepr\u00e4gter Kamm zieht sich \u00fcber sanfte R\u00fccken hinweg und erklimmt beim Reculet und beim Cr\u00eat de la Neige ausgepr\u00e4gte H\u00f6hepunkte. Landschaftlich lieblich, nirgends \u00fcbertrieben steil, und recht weit. Bis zum Skigebiet von Montoisey sind meine Wasservorr\u00e4te ersch\u00f6pft, und so steige ich zum Refuge de la Loge ab. Es ist ein recht heruntergekommener Schuppen, und der H\u00fcttenwart macht einen vergleichbaren Eindruck. Bloss nicht bleiben! Nach Zucker und Koffein ziehe ich weiter \u00fcber die zunehmend endlosen H\u00fcgel bis zum n\u00e4chsten Skigebiet. Vom Petit Montrond hinunter carve ich in der D\u00e4mmerung zum Pas de la Faucille, wo ich im H\u00f4tel de la Couronne ein Zimmer gebucht habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Madame ist freundlich und hat eine klare Meinung, was drinliegt, und sagt einem deutlich, was nicht. Das kalte Abendessen ist hervorragend wie es nur in Frankreich sein kann, jedoch braucht mein K\u00f6rper eine Ewigkeit, um sich nach mehr als zw\u00f6lf Stunden Bewegung Rohkost einzuverleiben. Das Bier hilft nur bedingt als Schmiermittel, denn mit zunehmender \u00d6lung werden alle Prozesse noch langsamer. Entsprechend wird es sp\u00e4t, bis ich endlich schlafe. Am n\u00e4chsten Morgen erwache ich mit &#8220;vue sur le Mont Blanc&#8221;, wie es mit der Zimmerkategorie versprochen war. Der Fr\u00fchst\u00fccksservice ist ebenso pers\u00f6nlich wie langsam. Als Betrachter nimmt man einen schmerzhaften Hauch von Niedergang wahr, der sich auch in der dahinserbelnden Infrastruktur des Skigebiets zeigt. Es wurde vor nicht allzu langer Zeit Geld in Modernisierung investiert, hat aber in den letzten Jahren sicher keine Rendite gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom Pass weg folgt der eigentliche Geheimtipp dieser ganzen Tour. Direkt gegen\u00fcber des Hotels schl\u00e4ngelt sich ein Pfad in den Wald hinauf und erreicht bald einmal einen Canyon. Diesem folgt man zwischen den steilen Kalkw\u00e4nden bis zum anderen Ende. Sogar Schnee liegt noch in dieser schattigen Klamm! Passenderweise steigt man danach auf die Notre Dame de la Neige, von der aus man hoch \u00fcber dem Talgrund dem Verlauf der Valserine folgt. So unerwartet spektakul\u00e4r dieser Tag begonnen hat, ist die Fortsetzung recht unattraktiv. \u00dcber weite Strecken l\u00e4uft man auf einer asphaltierten Strasse, und erst nach der Grenze ist man wieder auf Wanderwegen unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Aufstieg zur D\u00f4le ist h\u00fcbsch wie aus dem Prospekt: Satte Wiesen, kleine W\u00e4ldchen mit dunklen Fichten, verstreute Kalkfelsen und immer wieder der Blick \u00fcber den L\u00e9man zum Mont Blanc. Wenn auf dem Gipfel noch eine Beiz wartet, dann ist das Gl\u00fcck perfekt! &#8212; Leider nicht. Zwar hat es Seilbahnen und moderne Installation, jedoch geh\u00f6ren diese der Organisation Skyguide und sind nicht f\u00fcr touristische Zwecke ausgelegt. Nach dem Abstieg zum Col de la Porte kann man jedoch in der Cabane de la D\u00f4le Getr\u00e4nke und Wasser beziehen. Hier l\u00e4uft etwas, denn es sind viele Leute unterwegs. Das \u00e4ndert sich auf der \u00dcberschreitung nach Saint-Cergue jedoch schnell. Ein h\u00fcbscher Abstieg f\u00fchrt \u00fcber schmale und steile Pfade zur alten Strasse, der man ins Dorf folgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Punkt der Vorbereitung hat gut geklappt: Ich wollte sowohl auf der s\u00fcdlichen Kette in Richtung Vallorbe weiterziehen als auch den n\u00f6rdlich gelegenen Noirmont besuchen. Zudem war klar, dass ich in Saint-Cergue die Vorr\u00e4te auff\u00fcllen m\u00fcsste. Daraus resultierte eine bl\u00f6der Zickzack, der vier Kilometer entlang der Hauptstrasse f\u00fchren w\u00fcrde. Nachdem ich ausgiebig in die Karte gestarrt hatte, d\u00e4mmerte es mir (sehr) langsam, dass eine Eisenbahnlinie diesem Zickzack entlang bis zur Grenze f\u00fchrt. Das Programm bestand also aus einem ausgiebigen Mittagessen bis der n\u00e4chste Zug fuhr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ideal w\u00e4re es gewesen, bis zur Endstation in La Cure zu fahren, und von dort aus direkt zum Noirmont hoch zu steigen. Irgendwie war ich jedoch noch meinen urspr\u00fcnglichen Waldl\u00e4uferpl\u00e4nen verhaftet und stieg eine Station fr\u00fcher aus, um die <a href=\"https:\/\/www.cas-geneve.ch\/mCabCarroz.php\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.cas-geneve.ch\/mCabCarroz.php\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Cabane du Carroz<\/a> zu besuchen. Der Aufstieg f\u00fchrt im unteren Teil entlang einer Kiesstrasse und ist wenig lohnend. Die H\u00fctte jedoch ist ein wunderbarer Ort, und ich hatte das Gl\u00fcck, dass sie ge\u00f6ffnet war, was nur \u00fcbers Wochenende der Fall ist. Von dort stieg ich in die Senke hinab, um direkt zum Noirmont aufzusteigen. Diese Offroad-Linie erwies sich als interessant und sogar ganz wenig kraxelig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom Hauptgipfel ging es \u00fcber den Franzosengipfel am Rand des Kessels von Creux du Croue hinunter, und in dessen Flanke hin\u00fcber auf die andere Seite und weiter auf den Mont S\u00e2la. Von dort aus kann man den Weiterweg gut \u00fcberblicken. Sanft erstreckt sich der R\u00fccken von Cr\u00eat de la Neuve und Mont Tendre \u00fcber rund 20km. Wohlverstanden, haupts\u00e4chlich Wald, unterbrochen von einigen Feldern. Bei diesem Anblick schl\u00e4ft einem vor Langeweile fast das Gesicht ein, daran kann auch das sanfte Licht des sp\u00e4ten Nachmittags nichts \u00e4ndern. Da ausserdem die Suche nach einer Unterkunft f\u00fcr die Nacht erfolglos verl\u00e4uft, sinkt meine Motivation im Gleichtakt mit der Sonne. Weder sehe ich mich zum Waldl\u00e4ufer berufen, noch habe ich Lust, die Nacht irgendwo im Gestr\u00fcpp zu verbringen, auch wenn ich entsprechend ausger\u00fcstet bin. Also Abbruch, bevor es nur noch ums Erledigen geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch W\u00e4lder und \u00fcber Felder strebe ich dem Dorf Bassins zu, das nur etwa f\u00fcnf Kilometer Luftlinie von meiner Mittagsrast in Saint-Cergue entfernt ist. Um den Bus zu erreichen galoppiere ich die letzte halbe Stunde in vollem Lauf durch den Wald hinunter, nur um den Bus ein- und gleich wieder abfahren zu sehen. Nicht druckreife Worte der Verw\u00fcnschung schleudere ich dem Busfahrer hinterher. Umso mehr bin ich erfreut, als mich ein Einheimischer bald darauf im Auto bis zum Bahnhof in Gland mitnimmt. Es bleibt sogar noch Zeit, ein grosses Bier zu kaufen, das meine geistige Frische etwa auf das Verh\u00e4ltnis von Erlebnis zu Laufstrecke dieser Tour absenkt. N\u00e4chstes Mal wieder etwas gebirgiger bitte!<\/p>\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">PS: Die Photos sind mit einer Insta360 Go3s aufgenommen. Das Ger\u00e4tchen ist klein und praktisch, die zugeh\u00f6rige Software jedoch unterirdisch, was den Export der Dateien betrifft. Die Bilder werden mit dem Zeitpunkt des Exports versehen, und jegliche EXIF-Information wurde gel\u00f6scht. Eine klare NICHT-Empfehlung, falls sich jemand f\u00fcr das Ger\u00e4t interessiert!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waldl\u00e4ufer im Vorteil! Entgegen den Erwartungen erweist sich die Jura\u00fcberschreitung von Rhoneknie bis zu jenem des Doubs als zunehmend anspruchslos. Nach zwei Dritteln streiche ich die Segel und verzichte auf den restlichen Drittel der H\u00f6henwanderung. Bis dahin war das Gel\u00e4nde noch m\u00e4ssig attraktiv, und stets begleitet einen der Blick zum Mont Blanc. 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