2026-01 Pulverschneetouren?!

Schneemangel im Januar 2026, einem der schneeärmsten der Geschichte: Erster Schneefall ends November, ein bisschen was um den Jahreswechel und dann nichts mehr, dafür Hochdruckwetter bei grimmiger Kälte und Sonnenschein. Wie soll man da Skitouren unternehmen? War ich in der Altjahreswoche noch hauptsächlich per pedes unterwegs, zieht das nun nicht mehr.

Schneemessstation Alpler Tor

Vom ersten Tag meines Touren- und Tiefschneekurses gibt es kein einziges Bild, dafür Erinnerungen an Sturmböen und blankgefegte Bergflanken im Gebiet der Klewenalp. Eindrücklich die Schneetiefe von 2 Metern, direkt zwischen zwei abgeblasenen Stellen. Darunter eine aufbauend umgewandelte Basis. Immerhin hatte es Schnee, und das wird für den Rest des Monats das grosse Thema bleiben. Wo hat es welchen, und wo ist er allenfalls noch pulverig? Am zweiten Samstag ein Versuch am Haldigrat, der zuerst richtig daneben geht. Vom Lift aus wirkt die Schneedecke dick und locker, und dieser Eindruck bestätigt sich im Aufstieg über den Grat. Der spontane Entscheid, einmal zur Talstation hinunter zu fahren, bewährt sich aber leider nur auf den ersten paar Schwüngen. Schon fünfzig Höhenmeter tiefer zeigt sich ein störender Deckel, der bis fast zuunterst anhält. Dort wo es sowieso zu wenig Schnee hat, der zudem komplett zerfahren ist. Ein echter Reinfall!

Eine Stunde später Aufstieg wieder am selben Grat. Als eigentliches Ziel peile ich das Theorielokal Brisenhaus an, um bei Kaffee und Kuchen über Lawinenkunde zu sprechen. Die Lawinengefahr ist nicht ohne, aber die Abfahrt hinter dem Lauwistock ist gut vertretbar. Die Schneeverhältnisse versprechen erneut dasselbe Erlebnis wie schon zuvor. Wie überrascht sind wir jedoch, als wir durch 30cm lockeren Pulverschnee kurven! Die Freude währt bis zu den Chrüzhütten rund 500Hm tiefe. Wer hätte das gedacht? Kein Kilometer Luftlinie trennt uns von den getrübten Abfahrtsfreuden vom Morgen. Höhenlage, Exposition sowie Geländeform sind praktisch identisch. Offenbar muss der Föhn drüben etwas mehr Kraft gehabt haben als hier, näher am Brisen. Wie auch immer! Schnee ist Mangelware, und man nimmt, was es gibt.

Den Aufstieg zum Brisenhaus muss ich abbrechen, weil meine neue Bindung defekt ist. Bei zunehmend schönerem Wetter fahren wir noch 200Hm ab bis Hermisegg, von wo der weitere Rückweg zu Fuss zurückzulegen ist, denn die Südflanken sind praktisch aper. Abgesehen von den Wegen, denn diese sind flächig mit einer dicken Eisschicht überzogen. Man könnte Steigeisen gut gebrauchen, sonst kraxelt man wie wir am Bord entlang. Fazit bei Kaffee und Kuchen im Pilgerhuis: Es gibt noch Pulverschnee, man muss ihn nur finden.

Permanent verfolge ich Schnee-, Wind- und Wetterkarten sowie das Lawinenbulletin. Dort wird von einem sehr schlechten Schneedeckenaufbau gewarnt, was sich in Wummgeräuschen zeigt. Die anhaltende Kälte führt zu aufbauender Umwandlung der obersten Schicht, sodass die grossen Triebschneeansammlungen irgendwann wieder auflockern werden. Wo aber liegt der Schnee? Er kann ja nicht vollständig in den Vierwaldstättersee geblasen worden sein! Bilder aus Tourenberichten zeigen ausgeblasene Geländekammern, wo man immerhin in den Mulden noch Schnee erwartet hätte. Es sieht fast hoffnungslos aus.

Neuer Versuch am folgenden Samstag auf der Bannalp. Hinter der Schonegg muss der Westwind Schnee abgelagert haben. Mit etwas Glück könnte er fahrbar sein. Ein Tourenbericht zeigt eine extrem steile Abfahrtsspur vom Chaiserstuel nach Süden, die einen fast schon verzweifelten Eindruck macht. Das kann ja heiter werden! In der Tat lädt der Bannalper Kessel nicht zu Skitouren ein: Wenig Schnee, viel Fels, abgeblasene Rücken und apere Südflanke. Vermutlich sind wir deshalb auch fast die einzigen, die Richtung Schonegg aufsteigen.

Der Aufstieg geht gerade noch so knapp im Schnee, und der Pass ist weiträumig abgeblasen. Was kann man bloss erwarten? Als erstes muss die Wächte überwunden werden, und dann vorsichtig in den Hang einfahren. Und siehe, es geschehen noch Wunder! Die ganzen 300Hm lassen sich genussvoll im Triebschneepulver abfahren. Die Sonne lacht vom Himmel, und in mir jauchzt es vor Freude. Auf den ersten Streich folgt sogleich der Aufstieg zum zweiten. 500Hm gepaart mit 2.5km Distanz kosten einiges an Kraft. Zudem sinken die Temperaturen im Schatten des Ruchstocks auf Gefrierschrankniveau. Auf der Abfahrt sind jedoch alle schnell wieder auf Betriebstemperatur, denn diesmal ist der Pulverschnee fast knietief. Volltreffer! Da lässt sich sogar der Rhythmusbrecher in Form des letzten Wiederaufstiegs zur Schonegg verkraften.

Die Abfahrt über die Schonegg ist gerade noch machbar, aber darunter ist der Schnee wieder locker, wie schon vom Morgen bekannt. Es kommen nochmals einige schöne Schwünge auf den 400Hm Abfahrt zusammen, bevor die allerletzten Höhenmeter zum Berghaus Heimelig zu absolvieren sind. Dort Theorie über Kaffee und Kuchen, bevor wir am Ende eines langen Powder-Tags mit der Seilbahn zu Tale schweben. Das ganze wiederhole ich am darauffolgenden Tag mit einer zweiten Gruppe, für die ich als Ersatz eingesprungen bin. (Gute Besserung dem verletzten Kollegen!) Wohlweislich habe ich noch einige Hänge frei gelassen, und so haben alle Freude am Gebotenen. Ich selber auch. (:

Kann es denn noch besser werden? Ohne Schneefall bestimmt nicht. Die angekündigten Niederschläge fallen sehr bescheiden aus, abgesehen vom Tessin. Dort ist jedoch die Lawinensituation richtig kritisch (vgl. AvaBlog, letztes Bild!). Weniger angespannt ist sie auf der Alpennordseite im Urserental. Dort hat es 20cm Neuschnee gegeben, aber wie hat der Wind gewirkt? Hingehen und schauen! Im Aufstieg zu den Stotzigen Firsten überholen uns, wie gewohnt, Dutzende von Skitourengehern. Heute macht mich das ein wenig nervös, denn ich spekuliere darauf, dass die Nordabfahrt noch unverspurt sein könnte, nachdem der Vortag noch eher bewölkt war. Sobald einmal eine Spur gelegt ist, fahren bestimmt viele ein. Wer wird der erste sein?

Mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von ziemlich genau 90% wählen offenbar alle die Abfahrt entlang der Aufstiegsspur. Tatsächlich sind wir mit die ersten, die in die weiten Nordhänge einfahren, und mit etwas Gespür fürs Gelände und unter Hinterlassen von etwas Belag finden sich prächtige Pulverschneebedingungen. 800Hm tiefer landen wir mit perfektem Timing bei Sonnenschein an der Wasserfassung mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Welch eine Traumabfahrt! Sogar von der Passstrasse hinunter ins Dorf lassen sich noch etliche schöne Schwünge fahren, wenn es auch ab und zu unter den Skiern rumpelt. Damit muss man in diesem Januar halt rechnen.

Besser kann es nicht mehr werden, schlechter aber sehr wohl. Schon am darauffolgenden Tag erneut die Frage: Wohin, um noch guten Schnee zu finden? Möglichst unverfahren sollte er auch noch sein. Ach ja, und schönes Wetter sowieso. Nächster Versuch erneut im Urserental, diesmal am Tälligrat. Am Vortag hatte ich gesehen, dass dort noch relativ wenig zerfahren ist. Aber an einem Sonntag bei diesen Verhältnissen? Da kann man nicht mehr viel erwarten, zumal ich mir im Aufstieg viel Zeit lasse für unmotivierte Ausflüge ins Abenteuergelände. Auf dem Gipfel wartet eine grosse Gruppe unsere Ankunft ab, bevor die Horde zu Tale sticht. Nun ist bestimmt auch noch der letzte Hang umgepflügt. — Ausser diejenigen, die ich mir im Aufstieg gemerkt habe. In der Tat erleben wir einen Powder-Traum erster Güte in unverspurten Hängen. Langsam glaube ich doch, dass ich ein gutes Gespür für den Schnee entwickelt habe. Hoffentlich bewahrheitet sich das auch weiter, denn von Schneefall ist und bleibt keine Spur. Vielleicht dann im März, wer weiss?


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