Zehn Tage nach dem Grossschneefall mit zwei Metern und mehr aufsummierter Neuschneemenge scheint sich der Winter schon wieder davonzuschleichen und dem Frühling Platz zu machen. Die Wetterprognosen versprechen sonniges Hochdruckwetter mit milden Temperaturen. In den klaren Nächten wird die Schneeoberfläche gefrieren und im Lauf des Tages aufsulzen. Fraglich ist nur, wie lange das Sülzchen hält, bevor man durchbricht. Denn klarerweise ist die Schneedecke darunter noch winterlich kalt und locker.

Erfreulich ist, dass die Strasse ins Meiental offiziell noch wegen Lawinengefahr gesperrt ist. Gemäss inoffizieller Auskunft ist die Strasse jedoch frei befahrbar. Vermutlich hat das dazu geführt, dass am frühen Morgen kein Dutzend Autos abgestellt ist. Den ganzen Tag über bewegen wir uns zwar nicht allein, aber niemals in der ortsüblichen Masse von Tourengängern. Perfekte Frühlingsverhältnisse an einem Samstag im Meiental, und keiner geht hin ausser uns. Welch ein Geschenk!
Der Aufstieg über die Rossplanng ist hart aber griffig, und man macht schnell Höhe. Dahinter wird es kurz hart und glatt, sodass ich mit meiner Routenwahl etwas hadere. Sobald wir in die Sonne kommen, verfliegen diese Gedanken und weichen einem zunehmenden Gefühl von Anstrengung. (Ich hätte am Donnerstagabend doch nicht vier Stunden lang einen Kraftausdauersport betreiben sollen!). Abgesehen davon sind die Verhältnisse ebenso prächtig wie die Landschaft. Der steile Ausstieg vom Rossfirn gegens Wintertürmli hoch ist gut gespurt und sehr einfach zu begehen. Die Spur wurde offenbar noch bei Neuschneeverhältnissen angelegt, was ich etwas verwegen finde. Heute aber ist alles easy, und wenig später stehen wir auf dem Bärenhorn drüben.
Die Abfahrt ist oben noch recht hart, denn wie angekündigt überziehen Schleierwolken langsam den Himmel. Dafür lassen sich die extrem steilen Hänge westlich des Chüefadfirns auf perfekt gleichmässiger Unterlage fahren. Weiter unten sulzt der Schnee bald auf, und es zeigt sich tatsächlich immer mehr die Sonne. Die Unterlage hält weiterhin, und so können wir direkt über die steilen Flanke gegen Rotgand hinunter stechen. Nach 1200 Hm Traumabfahrt stehen wir allein im Kessel der Wissgand und lassen die Sonne auf uns einbrennen. Welch ein einzigartiger Skitourentag Ende Februar!


Schreibe einen Kommentar