Einzigartig schöner Abschluss der MUNTERWEGS-Saison! Nach den frühlingshaften Flausen besann sich der Winter 2026 wieder auf sein eigentliches Wesen wehrte sich standhaft gegen Temperaturen über 20 Grad. So soll es sein! Kalte Nächte, sonnige Tage — und dann punktgenau auf den Tag hin eine gute Ladung Neuschnee und wieder schönes Wetter. Eine Landschaft wie aus dem Wintermärchen erwartet uns.
Klar, dass man nicht alleine unterwegs ist, aber der Andrang hielt sich in Grenzen, und dank frühem Start war auch die Wartezeit am Bähnchen auf Käppeliberg vertretbar. Die stille, winterliche Atmosphäre trug das ihrige zur allseits gelösten Stimmung bei. Dichtestress kam erst unter dem Gipfel des Rossstocks auf, als die Gruppen unbedingt noch überholen mussten, um sich einen besonders hübschen Platz fürs Skidepot zu sichern, während die ersten Abfahrer einem fast über die Skispitzen fuhren.
Das SLF hatte die ganze Zeit schon vor einer tückischen Lawinensituation mit ausgeprägtem Altschneeproblem gewarnt. So dick die Powderwatte auch lag, konnte sich doch die Zeichen von intensivem Windeinfluss zu Anfang des Schneefalls nicht verheimlichen. Also kündigte sich ein Tag mit intensiver Kopfarbeit an: Informationen sammeln, auswerten, Indizien suchen und Schlüsse ziehen. Darüber die Frage, ob es wohl möglich wäre, der Menge zu entfliehen und unberührte Hänge zu befahren.
Bei solchen Schneeverhältnissen zieht sich jede Spur wie mit Leuchtstift gezogen durch die Schneedecke. Jedes Abweichen vom gebräuchlichen Korridor sticht von weitem hervor und wird aufmerksam beäugt. Mache ich selbstverständlich auch und spiele im Kopf Varianten durch: Ist die steile Direktabfahrt zum Spilauersee wohl machbar? Lohnt es sich, auf dem Gross Tisch links zu halten und dann steil hinunterzustechen, oder sollte ich besser der Mulde folgen, wo sich die Spuren bündeln? Lieber unverspurt und dann über eine vertretbar steile Böschung hinunter. Danach folge ich jedoch gerne den Spuren der Vorfahrer, als es um die Ecke zur Einfahrt in den extrem steilen Westhang geht. In der ganzen Breite sind einzelne Spuren, sodass das Lawinenrisiko gut abschätzbar ist, ohne dass der Hang komplett zerfahren wäre. Gut so! Über eine freiliegende Steinstufe hinab hüpfen und dann still jauchzend durch knietiefen Pulverschnee den Hang hinunter schwingen. Welch ein unvergleichlicher Genuss! Selbiges wiederholt sich noch zweimal, ehe wir unten in der Sonne verschnaufen und eine Pause einlegen. Diese ersten 600 Hm waren vom allerfeinsten! Allerdings waren wir auch mit bei den ersten, was beim nächsten Aufstieg nicht mehr der Fall sein wird.
Als wir die Felle wieder montieren und über dem Spilauersee gegen den Hagelstock ansteigen, sind die Temperaturen definitiv T-Shirt-tauglich. Frohgemut folgen wir der Spur durch die weiten Schneehänge. Der Schnee wandelt sich an der Sonne recht schnell, doch die schattseitigen Nordhänge sollten den Schnee noch gut konservieren. Davon gehen auch zahlreiche andere aus, die den Hagelstock anpeilen. Getreu dem Motto “No friends on a powder day!” ziehe ich stattdessen unter den ersten Aufschwung am Siwfass, wo wir für die Abfahrt umrüsten. Schon dieses erste Hänglein ist ein Genuss, und hoffentlich bleibt das weiterhin so.
Die weitere Abfahrt ist dann recht ausgefahren, und der Schnee etwas weniger toll. Ausserdem führen die meisten Spuren auch hier durch, sodass wohl nichts wird aus unverspurten Hängen. Schade! Zu meiner Überraschung folgen weiter unten jedoch alle der rechten Hangseite, was mir nicht recht einleuchten will. Aber es sei mir einerlei, denn für uns bedeutet dies, dass wir eine eigene Spur zur Rotenbalm hoch legen können und von dort an die ganze Abfahrt für uns allein haben. Nochmals: Die ganze Nordabfahrt über Tibi unverspurt in knietiefen Pulverschnee und weit und breit kein Mensch!
Unten angekommen können wir unser Glück kaum fassen. Für einen derart fulminanten Abschluss hätte mir die Phantasie gefehlt, wenn ich ihn mir hätte ausmalen dürfen. Fast kommt der Wunsch auf, gleich nochmals mit dem Bähnchen hochzufahren. Es wäre jedoch niemals dasselbe, und ich glaube, darin liegt auch ein Zauber verborgen, der den Reiz von Skitouren mit ausmacht. Gerade die Nichtwiederholbarkeit von unverspurten Abfahrten macht jede einzelne davon absolut einzigartig. Dieses Erlebnis hatte nur, wer dort war. Freuen wir uns auf die nächste Gelegenheit!


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