Ausgelatschte Trail-Schuhe kann man natürlich als bequeme Alltagsschuhe verwenden. Alternativ könnte man die abgenutzte Sohle mit Spikes für Läufe auf hartem Schnee aufmotzen; dort spielt das Profil sowieso keine grosse Rolle. La Sportiva produziert sog. A.T. Grip Spikes, welche bspw. bei ACE in Amden zusammen mit einem Eindrehwerkzeug erhältlich sind. Es handelt sich um sehr schmale Gewinde mit scharfen Spitzen. Sie können auch wieder entfernt werden. Jedoch ist der Preis abschreckend hoch für eine Investition in eine unsichere Zukunft, bei der man nicht sicher sein kann, wann es wieder einmal Winter sein wird — 2021/2022 sicher nicht mehr!
Also nach Alternativen gesucht und herausgefunden, dass bspw. Motorradfahrer in nördlichen Gefilden Spikes selber in die Pneus schrauben. Allerdings verwenden die recht massive Gewinde, die in sehr zähen Gummi geschraubt werden. Ausgedehntes Hirngestürme brachte mich auf die Idee, anstatt filigraner Spikes, die sich erfahrungsgemäss recht bald abnutzen, sobald sie auf felsigem Untergrund verwendet werden, auf massive Metallbeschläge zu setzen. Tricouni lässt grüssen!
Wie immer wollte ich die Kosten möglichst gering halten; schliesslich handelte es sich nur um einen Versuch. Allerdings um einen insgesamt geglückten, wie hier schon verraten sei! Nach einer Weile rumstöbern im Schraubensortiment von Anton Alt Eisenwaren in Sursee stiess ich schliesslich auf Selbstbohrschrauben BN 1880 mit Sechskantkopf von Bossard. Daraus sollten sich solide Spikes basteln lassen!
Die Selbstbohrschrauben kaufte ich ursprünglich in Grösse 4.8×13. Der Schaft von Länge 13mm hat unten eine Schneide von 7mm und darüber ein Gewinde von 6mm Länge und 4.8 mm Dicke. In einer ersten Nachbesserung habe ich im Vorderteil elf Schrauben plaziert, sodass insgesamt 17 Schrauben pro Schuh verwendet werden.
Bei einem ersten Praxistest stellt sich dann allerdings heraus, dass die Schrauben nicht genügend fest sassen. Für die zweite Nachbesserung kaufte ich sie deshalb in Grösse 5.5×19. Einerseits sitzt damit das Gewinde aufgrund des grösseren Durchmesser etwas fester, und zweitens lassen sich die Schrauben tiefer eindrehen.
Überblick
Wichtig schien mir, dass im Bereich der Sohlenballen keine Spikes befestigt seien, denn solche würden bei jedem Schritt von unten drücken und mit der Zeit bestimmt den Fuss reizen. Das Ziel war, die Spikes aussenrum so zu befestigen, dass sie bei aufgesetztem Vorfuss leicht über die (abgenutzte) Laufsohle raus stehen würden. Wegen der Abrollbewegung müssen sie vor und hinter dem Fussballen etwas weiter rausstehen. Ein erster Überblick:
Vorbereitung
Wem 13 Milimeter Schraube vertikal unter der Fusssohle etwas “gfürchig” vorkommen, kann ich beruhigen; es braucht keine Ausbildung zum Fakir. Zunächst einmal klemmt man von den elf Schrauben für das Vorderteil die Schneide ab, sodass nur noch das 6mm lange Gewinde übrig bleibt. Abgesehen von Barfussschuhen sollte die Sohle aussenrum noch mindestens so dick sein; ansonsten wäre der Schuh wohl wirklich ein Kandidat für den Umbau zu einer Sommersandale.
Wozu denn Selbstbohrschrauben, wenn man die Schneide wegmacht? Die abgeklemmten Schrauben sind diejenigen, welche schliesslich im Schuh bleiben. Zum vorbohren verwendet man intakte, welche man jedoch nur bis zum Ende der Schneide eindreht. Vermutlich könnte man auch einen Bohrer verwenden, aber auf die Weise hat es bei mir gut geklappt.
Vorderteil
Zuerst also einmal vorbohren mit ungekürzten Schrauben; jedoch nicht zu tief! Das Schraubgewinde, also die oberen 6mm sollten noch rausstehen. Danach alles wieder raus, um Platz zu machen für die verkürzten Schrauben. Wichtig ist auch, dass die Schrauben auf der Linie der Sohlenballen vertieft zwischen die Nocken gesetzt werden, wohingegen die anderen direkt auf eine Nocke gesetzt werden, damit sie weiter rausstehen.
In die vorgebohrten Löcher dreht man die verkürzten Schrauben ein. Damit ist schon deutlich mehr als die Hälfte der Arbeit erledigt.
Fersenteil
Beim Fersenteil kann man — im Gegensatz zum Vorderteil — die ganze Schraube eindrehen, weil die Zwischensohle genügend dick sein sollte. Andernfalls könnte man gleich wie beim Vorderteil verfahren. Wichtig scheint mir, die hintersten Schrauben zentral und erhöht zu befestigen, damit der Fuss beim Aufsetzen gleich Halt hat.
Und fertig ist das Meisterwerk! Jetzt braucht es nur noch einen Winter mit Schnee, um die Spikes zu testen. (:
Abrollverhalten
Wie mehrfach angetönt, ist das Abrollverhalten kritisch. Niemand will als Prinzessin auf der Erbse bei jedem Schritt einen Druck von unten in die Fusssohle spüren. Da könnte man ja gleich Kieselsteinchen in die Socken geben!
Erste Nachbesserung
Zuvorderst scheint mir ein einzelner Dorn zu wenig; einerseits für den Abstoss, andererseits vor allem aber auch beim dynamischen Aufsetzen des Vorfusses. Deshalb auf beiden Seiten noch je eine Schraube eingesetzt, sodass im Vorderteil elf und insgesamt siebzehn Schrauben verwendet werden.
Test und zweite Nachbesserung
Mangels Winter in tieferen Lagen fand der erste Test nicht auf hartem Schnee statt, sondern im verschneiten Matsch und Laub im Aufstieg auf den Napf. Dabei ging fast die Hälfte der Spikes verloren. Also neu überlegen!
Dickere und längere Schrauben zu verwenden, lag auf der Hand. Alternativ studiert auch an einer Luxuslösung mit Rampa-Muffen herum. Schliesslich verwendete ich dieselben Selbstbohrschrauben in Grösse 5.5×19. Zum Vorbohren würde sich auch ein 4mm- bis 5mm-Bohrer eignen. Beim Einschrauben im Vorderteil darauf achten, dass die Schrauben nicht ins Fussbett hineinragen; nötigenfalls die Schraube weiter kürzen!
Praxistest und dritte Nachbesserung
Anlässlich meiner Trail-Tage in Sedrun konnte ich mein DIY-Gebastel endlich einmal ausgiebig testen. Ich war sehr positiv überrascht vom Halt der Spikes auf Eis und Schnee. Wie erwartet, braucht es keine eigentlichen Zacken für guten Halt, sondern die Schraubenköpfe genügen im Trail-Terrain. Wenig durchdacht war es, einen reinen Schönwetterschuh zu nehmen, dessen Deckmaterial über dem Vorderfuss jegliche Feuchtigkeit eindringen lässt. Bei eiskalten Temperaturen würde das noch funktionieren, jedoch gelangt man unweigerlich auch einmal in etwas nässere Zonen und hat danach nasse und bald später auch eiskalte Füsse.
Also ganzes zurück und wieder voraus! Mittlerweile habe ich einen gleich gut ausgelatschten Schuh mit GTX-Membrane, auf den ich die Schrauben übertrage. Dabei tauche ich sie nun zusätzlich in elastischem Leim ab, um ein Eindringen von Wasser durch die Sohle zu verhindern. Beim abgebildeten Schuh dichte ich die Löcher ebenso ab, denn den werde ich in Zukunft als Freizeitschuh im Sommer nutzen.


Schreibe einen Kommentar zu 2025-12-28+: Trail-Tage in Sedrun – (M)UNTERWEGS Antwort abbrechen